ambivalenz.net

Paul Eugen Bleuler

Eugen Bleuler, oder Paul Eugen Bleuler war ein Psychiater, der im letzten Abschnitt des 19. Jahrhunderts bis in das erste Viertel des 20. Jahrhunderts aktiv als Arzt wirkte und der verschiedene Standartwerke zum Thema Schizophrenie, Demenz und Autismus schrieb. Bleuler wurde 1857 in Zollikon in der Schweiz geboren. Sein Vater war Landwirt, jedoch entschied er sich dazu an der Universität Zürich Medizin zu studieren. 1881 beendete er sein Studium erfolgreich und fokussierte sein Interesse im Anschluss ganz auf die Abteilung Psychiatrie. Es wird vermutet, dass die psychische Erkrankung seiner Schwester ihn zu diesem Schritt bewogen hat. Bleuler arbeitete nach seinem Abschluss bis 1884 in Bern in der psychiatrischen Einrichtung Waldau und promovierte derweil an der Universität in Bern.

Paul Eugen Bleuler

Paul Eugen Bleuler wurde 1857 in Zollikon in der Schweiz geboren.

Sein damaliger Oberarzt und in Waldau Klinikleiter war Rudolf Schärer, der zugleich auch Hochschulprofessor im Fach Psychiatrie an der Universität Bern unterrichtete. Als promovierter Psychiater setzte Bleuler seine Studien in Paris, London und München fort und lernte von derzeitigen Größen wie Jean Martin Charcot, Bernhard von Gudden und schließlich bei Auguste Forel, dem Vater der schweizer Psychiatrie, in Zürich. Bei diesem arbeitete er an der Einrichtung Burghölzli, die sich auf die Betreuung psychisch kranker Patienten spezialisiert hatte.

1896 bekam Bleuler seine erste Stelle als Direktor in schweizerischen Rheinau an einer Psychiatrie. Nach bereits zwei Jahren trat er die Nachfolge von Auguste Forel in der Direktion von Burghölzli in Zürich an. Bis 1927 übte er diesen Posten aus und unterrichtete zusätzlich an der Universität in Zürich. Im Jahr 1932 belohnte man seine Studien mit einer Mitgliedschaft bei der Gelehrtenakademie Leopoldina. 1939 starb Paul Eugen Bleuler im Kreise seiner Familie in Zollikon.

Bleulers Arbeit war geprägt von der Analyse seiner Patienten, so war er auch der Vorreiter in der Anwendung von Sigmund Freuds Psychoanalyse. Ende des 19. Und Anfang des 20. Jahrhunderts war es nicht unbedingt üblich, Geisteszustand und körperliche Gebrechen in Zusammenhang zu setzen, bzw. im Zusammenspiel miteinander zu betrachten. Besonders interessierten ihn die Wahnwelten, die man bei unterschiedlichen Patienten in unterschiedlicher Ausprägung beobachten konnte und deren Beziehungen zur Realität. Seine Auseinandersetzung mit den Patienten und ihren psychischen Abnormalistäten bezeichnete er selbst als Udensustherapie, die Zeit und Beschäftigung mit Geist und Körper des Patienten erforderlich machten.

Er wurde vor allen Dingen durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Shizophrenie bekannt, welche vorübergehend auch als „Morbus Bleuler“ bezeichnet wurde. So benannte er die psychische Erkrankung der gespaltenen Persönlichkeit Shizophrenie und er entwickelte anschließend außerdem den Ausdruck Autismus. Durch die Auseinandersetzung mit den Patienten und die Beschäftigung seinerseits mit den Ausprägungen der Symptome der Shizophrenie erreichte er oft eine Verbesserung des Krankheitsbildes und erste Behandlungserfolge. Damit veränderte er die Funktion der Psychiatrie von dem klassischen Irrenhaus, in dem die psychisch Kranken mehr eingeschlossen als behandelt wurden, in eine Heilanstalt, die sich mit den Insassen beschäftigte und eine Verbesserung ihres Befindens und Verhaltens erzielte. Sein bekanntestes Werk ist das „Lehrbuch der Psychiatrie“, das in zahlreichen Auflagen erschien und posthum von seinem Sohn Manfred weitergeführt und weiterentwickelt. Da im dritten Reich Aufsätze von verschiedenen „Rassenhygienikern“ eingefügt wurden, musste dieses Standartwerk in der Nachkriegszeit um diese Beiträge bereinigt werden.